Camper-Ausbau

Das Foto zeigt den Blick aus dem hinteren Teil eines Campers auf das Meer und die Wiese davor in Landrellec, Bretagne.

In meinem Sabbatjahr 2021 spiele ich mit dem Gedanken, eine Reise im Camper zu unternehmen – zum einen, um diese Art des Reisens auszuprobieren, zum anderen, um flexibel und unabhängig von den wechselnden Corona-Bestimmungen unterwegs zu sein. Erste Recherchen zeigen: Die Miete eines Campers ist teuer, besonders in der Hochsaison. Schnell reift die Idee, stattdessen einen gebrauchten Camper zu kaufen und nach der Reise wieder zu verkaufen. Doch damit bin ich nicht allein – der Gebrauchtwagenmarkt ist nahezu leergefegt.

Da ich Zeit habe, sehe ich mir verschiedene Transporter an und beschließe, selbst einen auszubauen. In Köln finde ich einen grünen VW Crafter, bereits mit Dämmung, Boden und Fenstern ausgestattet. Der Verkäufer hat zudem diverses Ausbau-Material dabei. Wir werden uns einig – und plötzlich bin ich Besitzerin eines großen Transporters. Ein überwältigender Moment. Der Wagen ist grün, meine Lieblingsfarbe, also liegt der Name nahe: Kermit, der Frosch aus der Muppet Show.

Einen Transporter – keine Ahnung. Und was nun?

Das Foto zeigt das Innere eines Transporters, der zum Camper umgebaut wird mit Klebestreifen zur Markierung auf dem Boden.

Da stehe ich nun mit meinem Transporter – aber ohne jegliche handwerkliche Erfahrung. Bevor ich loslege, tauche ich in die Welt der Camper-Ausbau-Videos auf YouTube ein. Es gibt unzählige Möglichkeiten, und die Entscheidung für den passenden Ausbau fordert mich heraus. Ich messe aus, skizziere, verwerfe, klebe ab, diskutiere mit Freunden, die mich motivieren – und mir später tatkräftig helfen.

Zum Glück finde ich einen Stellplatz an einer Halle, in der andere an ihren Campern werkeln. Einige bauen schon seit Monaten, andere reisen zwischendurch. Der Austausch mit den erfahrenen Bastlern ist Gold wert. Ich kann mir sogar Werkzeuge ausleihen. Dennoch spüre ich Skepsis: Eine Frau, ohne Vorerfahrung, ohne eigenes Werkzeug – und dann will ich das alleine stemmen? Die Zweifel werden größer, als ich verkünde, dass ich Mitte Juni zur Lavendelblüte in die Provence aufbrechen möchte. Es ist März. Drei Monate für den kompletten Ausbau und die TÜV-Umschreibung – ambitioniert. Erschwerend kommen die Pandemie-bedingten Ausgangssperren und Baumarkt-Beschränkungen hinzu.

Wie mir der Ausbau in drei Monaten gelingt

Pragmatisch entscheide ich mich für eine feste Querbett-Konstruktion – meine Körpergröße macht das möglich. Daraus ergeben sich weitere Entscheidungen: Die Küche kommt an die Schiebetür, die Sitzbank ans große Fenster, darüber Oberschränke, daneben eine kompakte Duschkabine. Mein Ausbau soll funktional und einfach bleiben.

Der grobe Plan steht, nun geht es Schritt für Schritt:

1. Elektrik verlegen4. Oberschränke anfertigen7. Drehkonsolen montieren10. Gaskasten bauen
2. Solarpanel montieren5. Bettkonstruktion bauen8. Wände mit Filz verkleiden11. Küchenblock anfertigen
3. Holzdecke einbauen6. Wassertank installieren9. Sitzbank anfertigen12. Duschkabine installieren

Von morgens bis abends arbeite ich am Camper, meine Muskeln protestieren gegen die ungewohnte Anstrengung. Immer wieder stoße ich an meine Grenzen – vor allem, wenn die Realität meine Skizzen Lügen straft. Der Transporter ist oben schmaler, nach vorn hin breiter – keine geraden Wände, überall Schrägen. Schränke, Bett, Küche passgenau einzubauen, wird zur Herausforderung. Manchmal bin ich so frustriert, dass ich alles hinschmeißen will. Der Ausbau fühlt sich an wie ein Mini-Hausbau auf vier Rädern – unzählige Entscheidungen, viele Stolpersteine. Zum Glück helfen mir Freunde genau dann, wenn ich es am meisten brauche. Gemeinsam probieren wir Lösungen aus, lachen über krumme Schnitte und feiern kleine Erfolge.

Gaskasten bauen und Löcher in die Karosserie schneiden

Ich entscheide mich für einen Gasanschluss zum Kochen – was eine weitere Hürde bedeutet: Der Gaskasten muss den TÜV-Vorgaben entsprechen. Eine detaillierte Anleitung aus dem Internet hilft mir. Schließlich überwinde ich meine Angst und schneide mit der Stichsäge das vorgeschriebene 12-Zentimeter-Loch in den Boden. Was für ein Gefühl!

Während des gesamten Ausbaus lerne ich, meine Scheu vor Werkzeugen abzulegen – Bohrer, Sägen, Schleifmaschinen werden zu meinen neuen Begleitern. Perfekt ist mein Camper nicht, aber jedes Detail habe ich selbst geschaffen – und darauf bin ich stolz.

Gesägt ist schnell, lackieren dauert

Unterschätzt habe ich die vielen Arbeitsschritte: Sägen, Schleifen, Lackieren – und die langen Trocknungszeiten. Zum Glück darf ich die Halle mit nutzen, so finden meine frisch lackierten Möbel einen geschützten Platz zum Trocknen. Für die Duschkabine entscheide ich mich für Bootslack – der allerdings 24 Stunden benötigt, um auszuhärten. Fast ein Showstopper für meinen TÜV-Termin. Spätabends setzen meine Freundinnen und ich die Duschkabine ein, es ist längst dunkel, als wir den Küchenblock montieren. Die Freude ist riesig, als der Gaskocher endlich funktioniert. Der letzte Handgriff: ein Tisch, etwas schief – aber für den TÜV muss es reichen.

Moment der Wahrheit: TÜV-Abnahme

Nervös rolle ich auf das TÜV-Gelände. Die formale Prüfung von Bett, Tisch, Wassertank und Schränken ist schnell erledigt. Dann kommt die Waage: Mit 2,6 Tonnen liege ich gut im Limit. Doch die Gasprüfung sorgt für Herzklopfen: Das Messgerät schlägt Alarm. Ohne bestandene Gasprüfung keine Wohnmobilzulassung – und keine Reise nach Frankreich. Der Prüfer holt ein zweites Gerät, und diesmal: alles dicht. Erleichterung!

Doch dann stört er sich an den rot-weißen Signalaufklebern auf der Motorhaube. Sie sind nur für kommunale und Baufahrzeuge erlaubt. Bei 30 Grad und mit bloßen Fingern puhle ich zwei Stunden lang die 14 Jahre alte Folie ab. Die Mühe lohnt sich – am Nachmittag verlasse ich das TÜV-Gelände mit der Wohnmobil-Zulassung für Kermit. Zurück am Stellplatz feiern wir den Erfolg. Jetzt kann das Abenteuer beginnen – Lavendelblüte, ich komme! Dass aus ein paar Wochen schließlich fünf Monate quer durch Südeuropa werden, ist eine andere Geschichte.

Was ich gelernt habe:

  • Ich muss nicht alles können – und nicht alles allein machen.
  • Es ist völlig in Ordnung, um Hilfe zu bitten.
  • Ausprobieren macht Spaß, auch wenn nicht alles perfekt wird.
  • Humor hilft, wenn Theorie und Praxis kollidieren.
  • Mit Bohrmaschine und Stichsäge umzugehen ist keine Hexerei.
  • Es lohnt sich, über Grenzen zu gehen und Neues zu wagen.
  • Und: jede Menge über Camper-Ausbau, Elektrik, Materialien und Werkzeuge!

Mein Fazit für alle, die noch zögern:

Ein Camper-Ausbau ist kein Hexenwerk – und schon gar keine reine Männersache! Ich hatte keine Vorerfahrung, keinen Werkzeugkasten und anfangs jede Menge Zweifel. Aber mit Neugier, Mut, ein bisschen Improvisationstalent und jeder Menge großartiger Hilfe habe ich mir mein eigenes rollendes Zuhause geschaffen. Perfekt? Nein. Einzigartig? Absolut. Also, traut euch! Wer ein Abenteuer sucht, muss nicht erst losfahren – es beginnt schon mit dem ersten Schraubendreher in der Hand.

Frau in grüner Hängematte am Sandstrand in Portugal mit Camper am Meer.
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